Kein Einzelstück

Was ich aus zwei Jahren in der OJC mitnehme

Ich bin Tischler und ich mag meinen Beruf. Aber ich habe einen Ort gesucht, an dem ich praktisch arbeiten und gleichzeitig meinen Glauben vertiefen und Jesus besser kennenlernen kann. Bei meiner Internetrecherche bin ich auf die OJC gestoßen. Hier schien mir ein guter Ort nicht nur zum Arbeiten zu sein, weil die Leute Jesus aufrichtig im Herzen haben.
Ich konnte im ersten Jahr Erfahrungen sammeln, die mich verändert haben, und im zweiten ging das gerade so weiter.

Mein Mentor, Zeit und Jesus

Nur weniges lässt einen so wachsen, wie das Zusammenleben in der Wohngemeinschaft. Das ist eine große Bereicherung, auch wenn nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen herrschen. In meinem ersten Jahr hatte ich eine richtig tolle WG. Ich habe viel über mich und andere gelernt. Mich im zweiten Jahr auf eine neue WG einzulassen, hat mich zunächst kalt erwischt. Ich kannte zwar schon vieles in der Gemeinschaft, aber ich lebte plötzlich mit ganz anderen Leuten zusammen. Wir drei sind sehr unterschiedlich und haben in alltäglichen Situationen oft ganz andere Vorstellungen. Da müssen wir uns immer wieder abstimmen, reden, reden, reden und sagen, was wir gerade brauchen.
Die WG-Dynamik ist eine andere und ich kann an anderen Punkten wachsen. Mein Mentor und Zeit und Jesus haben mir geholfen und ich bin wieder echt glücklich.

Lernerfahrungen

Über mich habe ich gelernt, dass ich besser streiten kann, als ich gedacht hätte. Oder dass es auf jeden Fall wichtiger ist, als ich dachte. Im Guten zu streiten, den anderen nicht zu verletzen, sondern gleichzeitig wertzuschätzen, ist eine Kunst, in der ich noch viel lernen kann. Man muss den Grat finden, jemand anderes in Liebe zu ertragen, aber auch Dinge anzusprechen, die einen nerven. Das kann man in einer WG besser lernen, als wenn man allein lebt, wo man eh nur das macht, was man möchte. Dazu gehört auch, dass man Kritik annehmen können muss. Ich spüre schon, dass das, was der andere sagt, berechtigt ist, aber ich will es nicht so ganz wahrhaben, alles in mir sträubt sich, am liebsten möchte ich gleich widersprechen. Ich musste richtig lernen, dass andere auch das Recht haben, ihre Bedürfnisse zu äußern.
In die WG einziehen hieß zuerst einmal aus dem Elternhaus auszuziehen. Hier musste ich meinen Alltag selbst organisieren bzw. mit den anderen absprechen, damit ich nicht eines Morgens vor dem leeren Kleiderschrank stehe, weil keiner von uns Wäsche gewaschen hat, und dass abends was zu essen da ist. Das ist ein Lernprozess, der weitergeht.

Verbrüderung

… erleben wir, wenn wir uns öffnen und verletzlich zeigen und das ist sehr wertvoll, weil wir uns gegenseitig stärken, ermutigen oder auch trösten. Im Austausch mit den Männern der Hausgemeinschaft kann ich mich mitteilen, ohne dass jemand mich verurteilt. Meine Last wird leichter. Mehr muss ich gar nicht tun und das ist manchmal sehr befreiend. Und natürlich nimmt man auch Anteil an den anderen. Elemente wie die Stille am Morgen, Mittagsgebet und Austausch helfen mir, meinen Glauben zu vertiefen. Das ist cool und das möchte ich zukünftig in mein Leben integrieren.

Bauteam

Ich arbeite im Bauteam mit Thomas und Mykola zusammen. Thomas hat langjährige Erfahrungen auf den Baustellen der OJC und ganz viel Wissen angesammelt. Er hat gefühlt schon alles gemacht und davon darf ich profitieren. Ich kann immer fragen und weiß hinterher mehr als vorher.
An Mykola, der aus der Ukraine kommt, ist mir aufgefallen, wie schwer die deutsche Sprache ist. Wörter umschreiben und erklären, was mir so selbstverständlich erscheint, ist oft herausfordernd. Voneinander zu hören, wenn wir in der Kaffeepause ins Gespräch kommen, erweitert meinen Horizont. Überhaupt kann man in der OJC Menschen aus vielen verschiedenen Ländern treffen.

Feste feiern

Ich finde es cool, dass hier so viel gefeiert wird, vom Geburtstag übers Abendmahl bis Ostern. Das kannte ich so vorher nicht. Wir haben zwar all die Feste auch gefeiert, aber hier werden sie geistlich durchdrungen, das spürt man. Gerade Ostern ist ein echtes Highlight. Wir haben so viel Grund zum Danken und durchs Feiern werden wir selbst dankbar.
Das Abendmahl wird jeden Freitag in unserer Schlosskapelle richtig zelebriert. Sich vor Jesus zu zeigen und dankbar zu werden für das, was er für uns getan hat, bedeutet mir viel.
Ich bin kein Geburtstagsmensch, aber hier kommt man nicht drum herum. Für das Frühstück bereiten wir immer was vor, was zum Geburtstagskind passt. Das ist ein bisschen Aufwand, lohnt sich aber, weil die Person sich sehr wertgeschätzt erlebt und man selbst dabei auch fröhlich wird. Und beim Geburtstagserzählen lernt man den anderen noch mal ganz anders kennen, wenn man was über sein Zuhause und seine Familie erfährt und vielleicht auch ein paar Bilder sieht. Ich freue mich immer, wenn wieder was gefeiert wird, und das kommt hier regelmäßig vor.
Ich bin sehr froh, dass ich mich für das FSJ und die Verlängerung entschieden habe und kann es nur weiterempfehlen. Und wer weiß – vielleicht komme ich ja wieder.