In die Weite denken heißt immer, eine neue Perspektive einnehmen: Das ist wie ins All fliegen und die Lage von oben betrachten. Die Artemis-2-Expedition hat uns atemberaubende Bilder geliefert: Da wird die Perspektive gewechselt. Das ist Gottes Blick auf die Erde.
Was mich bewegt: Aus der Fülle der Planeten im All wählt Gott einen, die Erde, und erschafft das Leben. Für 8,3 Milliarden Menschen. Die Einwohner in Reichelsheim machen davon ca. ein Millionstel aus.
Und Gott hat Lust auf uns! Im Jahresvers der OJC, in Psalm 13, steht‘s: Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus, denn er hatte Lust zu mir! Der Perspektivwechsel schlechthin. Gott hat Lust auf uns. Seine Freude gilt uns.
Lust verwende ich sonst eher in anderen Zusammenhängen. Ich hab Lust auf einen Kaffee – ich hab überhaupt keine Lust auf den Abwasch. In einer anderen Übersetzung heißt es:
Er hatte Wohlgefallen an mir. Trotzdem gefällt mir die Übersetzung mit Lust gut, denn sie fällt ein bisschen aus dem Rahmen. Da schwingt Freude mit, da kommen gleich ganz viele Assoziationen. Zum Beispiel solche: auf etwas zufiebern, etwas herbeisehnen, alles dafür geben, es kaum erwarten können, versessen auf etwas sein, es juckt einen in den Fingern…
DAS also ist die Wirklichkeit unserer Existenz: nicht, dass wir so verschwindend gering sind. So Nichtse im All, so unbedeutend im Meer der 8,3 Milliarden. Die Wirklichkeit ist diese: dass Gott Lust hat auf uns, versessen ist auf uns. Es juckt ihn in den Fingern, uns zu umarmen, und er gibt alles für uns. Wenn wir das glauben könnten. Wenn wir dies tapfer ergreifen könnten. Welche Weite täte sich auf!
Weiterdenken
Es ist tatsächlich nötig, dass wir uns immer wieder daran erinnern. Morgens beim Start in den Tag: Okay, Herr, der Tag wird voll und herausfordernd, ich brauch’s, dass du mich ins Weite führst. Und abends, wenn der Tag rum ist: Wo hat Gott mich herausgerissen, wo hat er eine Situation gerettet? Wo hat er mir Freude gemacht? Durch die nette WhatsApp. Durch die rechtzeitige Erinnerung an einen Geburtstag, den ich sonst versemmelt hätte, durch die hilfreiche Selbstbeherrschung, in einem Gespräch nicht zu explodieren, durch die gute Diagnose beim Arzt, durch den zum Glück nur Beinah-Unfall an der Ampel, durch das Schnäppchen beim Einkauf. Banalitäten, Zufälle – oder eben Aufmerksamkeiten und Zuspruch eines liebenden Vaters, der Lust hat auf uns. Meine Einstellung, mein Perspektivwechsel ändert den Blick auf meine Wirklichkeit. Macht mein Herz weit.
Weite führt in ein Weitergehen, Weiterglauben, Weiterdenken. Weite ist Gottes Trademark schlechthin.
Weiterglauben
Als die Jünger fassungslos nach oben starren, klingen noch die letzten Worte Jesu in ihnen nach: Ihr werdet meine Zeugen sein.
Wir werden seine Zeugen sein. Das ist unsere Berufung: Zeugen sein für die unglaubliche Weite, die das Leben mit Christus bedeutet. Es gibt im Epheserbrief eine wunderschöne Stelle: Paulus betet, dass die Epheser innerlich gestärkt werden und dass Christus durch den Glauben in ihren Herzen wohne, damit ihr zusammen mit allen, die Gott gehören, imstande seid, das ganze Ausmaß zu erfassen, seine Breite, Länge, Höhe und Tiefe; ja zu erkennen, was alle Erkenntnis übersteigt: die unermessliche Liebe, die Christus zu uns hat. So werdet ihr erfüllt werden mit der ganzen Fülle, die von Gott kommt (Eph 3,18-19).
Diese Maßeinheiten des Glaubens beschreiben unermessliche Weite. Die Breite, Länge, Höhe, Tiefe Gottes – kein Mensch kann das ausmessen. Es gibt eben mehr, als wir sehen, als wir verstehen, als wir wissen. Deshalb ist in die Weite denken essenziell für unsere Beziehung zu Gott. Gottes Zeugen denken weiter.
So ein Zeuge ist auch das Crewmitglied der Expedition ins All, der NASA-Astronaut Victor Clover. Er sagte: Wir brauchen Jesus, hier auf der Erde und im Mondorbit. Wenn wir das integrieren: In die Weite denken heißt, überall ist Jesus! Das macht möglich, ihm zu vertrauen. Wir können mit ihm rechnen, hier auf der Erde und in der Unermesslichkeit des Alls.
Interessanter Nebengedanke: Artemis – nach der die Expedition benannt wurde - war die Göttin, die in Ephesus am meisten verehrt wurde. Auch dieser Raum, der Götterhimmel, ist von Jesus besetzt. Victor Clover bringt es auf den Punkt. Es gibt keinen Ort im All, der nicht in Beziehung zu Jesus stünde. Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus, denn er hatte Lust zu mir.
Weitergehen
Das ist schon verrückt, dieser Gedanke. Auf eine wunderbare Art ver-rückt. Unsere Antwort auf diese verrückte Liebe Gottes könnte sein: Selbst ein bisschen verrückt sein. George Bernard Shaw hat gesagt, und das gefällt mir gut: „Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.“
Ich hab Lust, verrückt zu sein. Verrückt vor Freude, dass wir, diese Winzlinge im Ameisenhaufen Erde, Beziehung angeboten bekommen von Ihm, dem Schöpfer des Universums. Und ver-rückt sein im Sinne von zusammenrücken, damit wir miteinander in Verbindung bleiben. Gemeinsam entdecken, was Gott ermöglichen möchte in uns und durch uns. Weil Er Lust darauf hat!