So geht’s nicht weiter

Bühne frei für Petrus und Kornelius (Apg 10)

Was passiert, wenn Gott deine Grenzen sprengt? Das Anspiel vom OJC-Jahresfest 2026 über Mut, Perspektivwechsel und überraschende Begegnungen nach Apostelgeschichte 10

Lesedauer: 12 Minuten

Matthias Casties
Matthias Casties

Requisiten: Zwei getrennte Räume und ein zunächst geschlossenes, später geöffnetes Fenster, Tischdecke mit Stofftieren, zwei Stühle, zwei Baulampen, goldener Umhang.
Erzähler: Weite®Denken – man kann dieses Wort Weite® auch anders aussprechen und zwar so: Weite ®. (Das ® wird abgesetzt und deutlich ausgesprochen).Hand aufs Herz, wer von Euch stand schon mal im Schwimmbad auf dem Zehn-Meter-Brett? Weite, das erlebt man dort oben und denkt: so habe ich das Schwimmbad noch nie gesehen. Dann schaut man nach unten und merkt: „® ist das Wasser klein!“ Und dann, ein Schritt, der Sprung und mit ihm eine neue Erfahrung im eigenen Herzen. Um ein solch mutiges Springen geht es heute. Ich nehme euch jetzt mit in eine Erzählung, die uns Lukas in der Apostelgeschichte überliefert hat.

Szene 1: Petrus

Erzähler: Hier ist Simon – in seinem Lebensraum an einem ganz gewöhnlichen Donnerstagmorgen. Simon Petrus! Ja genau, ihr wisst schon, der Simon Petrus. Einer der Jünger, der mit Jesus selbst unterwegs war. Inzwischen ist für ihn daraus eine große Mission geworden. Alle Welt soll erfahren, dass der gekreuzigte Jesus auferstanden ist, dass Jesus lebt. Ja, mehr noch, wer diesem auferstandenen Jesus begegnet, ihn in sein Haus einlädt, erfährt wunderbar Neues. Simon Petrus ist gerade in Joppe und zu Gast bei Simon, Simon dem Gerber. Intensiv studiert er das neue Gemeindeheft als Inspiration für seine nächste Predigt.
Erzähler: Hallo, Simon Petrus.
Simon senkt sein Buch.
Erzähler: Mach weiter! Was du tust, ist wichtig.
Simon grüßt und verschwindet wieder hinter seinem Buch. Es gibt aber auch noch einen anderen Lebensraum.

Szene 2: Kornelius

Kornelius sitzt auf seinem Stuhl, Augen geschlossen, auf seinen Knien ein Andachtsbuch.
Erzähler: Und hier treffen wir auf Kornelius in seinem Lebensraum. Kornelius ist römischer Offizier und stationiert in Cäsarea. Kornelius ist ein besonderer Zeitgenosse. Anders als die meisten in seinem Regiment, glaubt er an den Gott der Juden. Er und seine ganze Familie. Kornelius, obwohl Nichtjude, tut viel Gutes in der jüdischen Gemeinde und hilft den Armen durch großzügige Gaben. Sieht so aus, als wäre er gerade im Mittagsgebet. Hallo Kornelius.
Kornelius blickt Erzähler an und grüßt.
Erzähler: Mach weiter! Was du tust, ist wichtig.
Kornelius legt das Buch auf seine Knie und schließt die Augen wieder.
Erzähler: Zwischen Cäsarea hier und Joppe dort liegen ca. 50 km oder gut 30 Meilen. Aber nicht nur räumlich sind die beiden megaweit auseinander. Hier in Joppe ist ein Jude, der Jesus predigt. Dort in Cäsarea ist ein Nichtjude, der an den Gott Israels glaubt. Ungewöhnlich – will erstmal zugelassen werden. Doch jetzt kommt Bewegung in die Erzählung des Lukas.

Szene 3: Petrus hat eine Vision

Petrus steht von seinem Stuhl auf, legt die Hand auf den Bauch.
Petrus: Mein Magen meldet sich, er knurrt. (Miene verfinstert sich, schnuppert, Miene hellt sich auf) Oh, welch holder Duft im Hause! Mittagessen! Doch davor ist für uns Juden Zeit fürs Mittagsgebet.
Petrus dreht sich um und hebt seine Hände zum Gebet.
Erzähler: Soweit ein ganz normaler Tag und er wird weite®. Seht selbst! Während Petrus betet, öffnet sich der Himmel. Petrus zutiefst erstaunt. Ein Tuch kommt herab bis zu ihm. Komparsen bringen ein Bettlaken mit großen Stofftieren.
Darin wimmelt es von allen möglichen Tieren, Vierbeinern, Kriechtieren und Vögeln. Petrus schaut genau, nimmt irritiert ein Tier hoch. Und während Petrus auf die Tiere starrt, ertönt eine ihm bekannte Stimme.
Gott: Auf, Petrus! Schlachte und iss!
Angewidert weicht er zurück.
Petrus: Nie und nimmer, Herr! Auf gar keinen Fall, mein Gott! Du weißt, ich habe noch nie irgendetwas Unreines oder Unerlaubtes gegessen.
Petrus schlägt sich mit der Faust auf seine Brust, um seine Entschlossenheit zu aktivieren.
Petrus: Ich bestehe diesen Test.
Erzähler: Petrus ist darauf wirklich zufrieden mit sich: Er hat alles richtig gemacht. Doch die Stimme meldet sich ein zweites Mal:
Gott: Auf, Petrus! Schlachte und iss! Was Gott rein gemacht hat, das sollst du nicht unrein nennen.
Danach verschwindet das Tuch. Komparsen tragen es hinter die Bühne.
Petrus: Ich verstehe die Welt nicht mehr. Was war das denn? Was soll ich davon halten? Vielleicht sollte ich erst mal was essen … selbstverständlich etwas absolut Koscheres.
Erzähler: Armer Petrus – er hat mein ganzes Mitgefühl. Gar nicht schön, wenn man die Welt nicht mehr versteht, gar nicht gut, wenn sie aus den Fugen gerät… Da durchzuckt es einen – wie bei diesem ® – diesem Weite®. Da fällt mir ein, wie läuft es eigentlich gerade bei unserem Kornelius in Cäsarea?

Szene 4: Kornelius hat eine Vision

Kornelius sitzt noch in seiner Gebetspose auf seinem Stuhl.
Erzähler: (Gott sei Dank) alles beim Alten. Der Hauptmann Kornelius hält noch sein Mittagsgebet. Soweit ein ganz normaler Tag. Doch plötzlich wird es in Kornelius‘ Raum unerwartet, unnatürlich hell. Rhythmus! Licht an für Engel in Gold. Kornelius wird gewahr: Da ist wer – jemand hat den Raum betreten. Etwas Helles, ein Licht, ein Engel? Kornelius reißt die Augen auf, Panik. Während Kornelius sich hinter seinem Gebetsbuch versteckt, hört er eine Stimme.
Gott: Kornelius, Gott hat deine Gebete gehört. Er kennt dein Herz und er kennt deine guten Taten. Deshalb schicke ein paar Leute nach Joppe. Sie sollen dort einen Simon Petrus finden, der im Haus von Simon dem Gerber wohnt. Simon Petrus soll zu dir kommen!
Kornelius bleibt hoch angespannt.
Kornelius: Wie geschieht mir? Ein Gott, der mich sieht und der mich anspricht? Besser befolgen, was er befiehlt.
Erzähler: Kornelius ist darauf wirklich zufrieden mit sich: Er führt aus was befohlen wird. Doch die Stimme meldet sich ein zweites Mal:
Gott: Kornelius, sende deine Leute nach Joppe. Schärfe ihnen ein, sie sollen sich nach Simon Petrus erkundigen. Er soll zu dir kommen, Simon Petrus, nicht Simon der Gerber.
Erzähler: Dann verschwindet der Engel wieder. Kornelius kratzt sich am Kopf.
Kornelius Ich verstehe die Welt nicht mehr. Was war das? Was soll ich davon halten? Vielleicht sollte ich nach dem Schock erst mal was essen – vegan, vegetarisch oder Vollkost? Ach egal, heute am besten alles!
Kornelius ab.

Szene 5: Weite® ist da und weht

Erzähler: Als Petrus und Kornelius sich heute Morgen anzogen, hatte keiner der beiden so was auf dem Schirm. Es kam unerwartet. Beide sahen auf ihren Kalender und lasen: Ah, Donnerstag. Donnerstag kommt jede Woche, doch dieser Donnerstag wird beiden immer in Erinnerung bleiben. Und jetzt kommt wirklich frischer Wind in ihre Köpfe und Herzen. Zwar sind beide noch in ihren Häusern in Joppe und Cäsarea, aber in sich ganz aus dem Häuschen. Ich hoffe, die beiden kommen gestärkt aus ihrer Mittagspause. Ah, da kommt schon der erste.

Szene 6: Innere Dialoge von Petrus und Kornelius

Petrus läuft in seinen Raum auf und ab, bleibt immer wieder stehen.
Petrus: Ich hab‘s immer noch nicht kapiert. Was will Gott mir bloß sagen? Soll ich mich anders ernähren? Die heiligen Speisegebote brechen? Ich steh komplett auf dem Schlauch. Es macht keinen Sinn. Warum? Und wo soll das hinführen? Ich bin Jude, ich will die jüdischen Gesetze achten. Fragen über Fragen – was für ein Tag.
Er holt triumphierend einen Zettel aus seiner Tasche.
Petrus: Ich habe sie alle auf Zettel geschrieben und werde jetzt mal versuchen zu erkennen, was Gott vorhat.
Nimmt seine Zettel und pinnt sie ans Fenster.
Erzähler: Mal sehen, ob Petrus da weiter kommt … Ah, da kommt Kornelius aus seiner Mittagspause.
Kornelius läuft in seinen Raum auf und ab.
Kornelius: Ein Gott, der so redet. Meine Boten habe ich sofort ausgesandt nach Joppe, um Simon Petrus zu holen. Was wird mir der, dessen Namen wir nicht aussprechen, wohl durch Simon sagen wollen? Simon – der Petrus! – nicht Simon der Gerber … - Ob er sich tatsächlich auf den Weg macht? Was wird er mir sagen, wenn wir uns begegnen?
Er holt triumphierend Zettel aus seiner Tasche.
Kornelius: Vorbereitung ist alles, hier sind meine Fragen, aber ich habe noch so viele mehr. Am besten nehme ich mir jetzt Zeit und ordne sie.
Nimmt seine Zettel und pinnt sie ans Fenster.
Bei Petrus: Er läuft wieder seinen Raum ab, bleibt immer neu stehen.

Petrus: Will der Herr mich auf etwas vorbereiten? Ich habe dieses Tuch mit den Tieren gesehen, ich komme da nicht weiter. Immer wieder das gleiche Gewimmel. Dieses Wimmelbild überfordert mich. „Schlachte und iss“. Rein – unrein. Verboten – erlaubt. Was soll ich damit tun? Kann es sein, dass Gott mein Denken, meine Überzeugungen weiten will? Mein Denken ist begrenzt. Ich wills richtig machen - und ich komm nicht weite®.
Erzähler: Während Petrus in seinem Raum festhängt, haben Kornelius‘ Boten Joppe endlich erreicht, es klopft bei ihm an der Tür.
Klopfen an Fensterelement, Simon Petrus öffnet.
Petrus: Guten Tag!
Engel: Guten Tag, bist du Simon Petrus?
Petrus: Ja, der bin ich.
Engel: Ich bin Gesandter des Römers Kornelius. Er schickt nach dir und bittet dich, uns zu ihm nach Cäsarea zu begleiten.
Petrus schließt abrupt die Tür, wendet sich Richtung Himmel.
Petrus: Herr, was ist das denn? Die Person da draußen ist keine Vision, sondern wirklich real! Ist es das, auf was DU mich vorbereiten wollte? OK … ich wage es nun Weite® zu denken.
Petrus öffnet dem Gesandten nun ganz die Tür.
Petrus: Guten Tag, treten Sie ein – was für ein Donnerstag!
Beide verschwinden hinter der Bühne.
Kornelius läuft in seinem Raum auf und ab.

Kornelius: Geduld war noch nie meine Stärke! Und ich weiß nicht, worauf ich mich genau vorbereiten soll. Sie sind sicher schon bald zurück. Simon Petrus ist ein Jude. Soll ich ein Jude werden?
Macht sich mit dem Finger eine Locke.
Kornelius: Und wenn doch Simon der Gerber kommt? Juden ist es vom Gesetz nicht erlaubt, das Haus eines Heiden zu betreten. Wie soll das weite® gehen?
Hält inne und schaut zum Fenster.
Kornelius: Vielleicht erstmal hier am Fenster mit Simon klären, wie wir es machen. All die Zettel hier! Fragen, Fragen, was für ein Tag. Mein Denken ist begrenzt.
Ich komm nicht weite®. Was soll ich damit tun? Und doch: Ich will Weite ® denken.

Szene 7: Weite® bewirkt Extrameilen

Erzähler: Weite®. Ihr merkt schon, sie naht… beide – Simon wie Kornelius – spüren, wissen, irgendwie, wird hier etwas Neues geschehen, etwas wird sich ändern, doch um Himmels willen, was? Erinnern wir uns: Der Jude Petrus sieht unreines Getier und hört die bekannte Stimme Gottes, der sagt: Schlachte und iss. Damit macht er sich jetzt auf den Weg. Und der Nichtjude Kornelius erlebt hier Gottes Reden und hört: Hole den Juden Simon Petrus zu dir. Darum befiehlt er seinen Leuten, diesen zu sich zu holen. Beides ungewöhnlich – will erstmal zugelassen werden. Zwei Männer in ihren vier Wänden, Lebensüberzeugungen, Gewohnheiten. Ihnen mutet Gott eine Extrameile zu, genauer gesagt gut dreißig Extrameilen. Nur so kommt es gleich zu dieser Begegnung. Ah, da kommt schon Petrus und sein Begleiter.
Petrus vor Kornelius‘ Haus, klopft. Kornelius zuckt zusammen und öffnet zaghaft das Fenster.
Petrus: Hallo, Kornelius, wie gut, dich zu sehen. Ich möchte dein Haus besuchen.
Kornelius: Simon Petrus!
Petrus: Ja!
Kornelius: Du bist ein Jude.
Petrus: Ja!
Kornelius: Und willst in mein Haus?
Petrus: Ja!
Petrus breitet die Arme aus, blickt freundlich zu Kornelius und macht einen Schritt nach vorne. Erzähler stellt sich zwischen die beiden Männer.

Szene 8: Weite® wird sichtbar

Erzähler: Mit diesen Worten kommt Wind auf, frische Luft. Die Mauer, die die beiden Männer bisher trennt, wird von diesem Wind erfasst und beiseite geschoben.
Windgeräusche, Wand zum Bühnenhintergrund Weite®
Ein neuer großer Raum eröffnet sich.

Erzähler: (Richtung Publikum) In ihm begrüßen sich jetzt – Fremde – herzlich und beschreiten diesen jetzt weiten Raum gemeinsam. Weite®, ihr merkt es, ist für beide noch etwas ungewohnt.
Beide schreiten den weiten Raum ab, an den alten Grenzen der Räume kommt jeweils einer ins Stocken. Der andere ermutigt ihn, weite® zu gehen.
Erzähler: Da gehen die beiden nun: Ein Jude, der Jesus predigt, und ein Nichtjude, der an den Gott Israels glaubt. Beide erfahren mit diesem Wind des Geistes Gottes das Neue: Wer Gott ehrt und tut, was vor ihm recht ist, den nimmt Gott ganz an (vgl. Apg 10, 34-36). Weite®. Schon bald wird dies Neue unter den ersten Christen überall bekannt.
Weitere Personen stellen sich in diesen Raum.
Erzähler: Es zählt nicht mehr, ob jemand Jude oder Nichtjude ist, ja, ob jemand zu einem unzivilisierten Volk gehört … was einzig noch zählt, ist Christus, der in allen lebt und der alles wirkt. (Kolosser 3,11 GNB) Lassen auch wir seinen Geist in uns wehen und Jesus durch uns leuchten.

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