Zimmer mit Aussicht

Time Out auf Schloss Reichenberg

Josefin Mader  –  Mein Weg in eine Auszeit in der OJC begann vor über einem Jahr. In einem Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub bot mir eine Freundin ein Salzkornheft zum Lesen an, in diesem fand ich den Flyer Time-Out: Rauskommen – Ankommen – Weiterkommen. Ich fühlte mich sofort angesprochen. „Genau so etwas bräuchte ich“, dachte ich damals. In mir trug ich eine Unruhe, ein inneres Hin und Her und es regte sich ein leises Sehnen nach einer räumlichen Veränderung und dem Wunsch, persönlich Auftanken zu können.

Etwa ein halbes Jahr später sollte sich mein Leben wandeln. Ich stand zwischen meinem Job, dem künstlerisch-therapeutischen Begleiten von Menschen, der Kraft und Zeit fordert, und den verschiedenen offenen Fragen rund um die Gestaltung meines Lebens – der Wunsch nach einer Auszeit wurde größer, aber auch notwendig, um mich dem Thema der Veränderung bewusster widmen zu können.

Wie viel Zeit darf ich mir nehmen? Ist dieser Schritt dran? Es fiel mir anfangs nicht leicht, meinen eingeschlagenen Weg zu verlassen, umzudenken und auszubrechen. Aus einer bestimmten Lebenszeit zu kommen, um in einen anderen Ort zu wechseln, bedeutet ja auch, etwas zu verlassen, zurückzulassen und loszulassen. Etwas Begonnenes anzuhalten und zu verändern braucht Vertrauen, welches ich nach und nach erlangte in meinem Schritt, mir diese Zeit an diesem Ort zu nehmen.

Ich wagte den Schritt und bezog mein Zimmer auf Zeit im Schloss Reichenberg und beginne, diesem Ort zu begegnen und mir an diesem Ort.

Den Ausbruch aus meinem bisherigen Alltag in einen anderen Alltag beging ich bewusst mit dem Wunsch, Arbeit und (Glaubens-)leben neu verbinden zu können. Ich wünschte mir eine Auszeit mit klarem Rahmen. Diesen Weg zu gehen und mir Zeit zu nehmen, heißt für mich hier in der Gemeinschaft mit ihren entwickelten Formen mitgehen zu dürfen. Mitgehen dürfen in den Gebetszeiten und mitgehen dürfen in den Gesprächen beim gemeinsamen Miteinander und den Feierlichkeiten. In diesem Hier mein Leben zu betrachten, fühlt sich wie ein Dehnen und Strecken an.

Zwischen Burgfenstern, Schlosstreppe und Turmfalken ist die Hin- und Herbewegung meines Lebens nicht weniger geworden. Noch immer stehen unbeantwortete Fragen offen in meinem Inneren, aber sie sind gut gehalten und eingebettet in einer Gemeinschaft, welche gerne begegnet und sich dem Unterstützen im Heimat- und Richtung finden in Jesus Christus widmet.

Ich nehme die Gemeinschaft dankbar an und staune über den Mut jedes Einzelnen, sich hier einzubringen. Das Leben in Gemeinschaft kostet mich auch Kraft und dennoch schätze ich das Geschenk, an einem solchen Ort wohnen zu dürfen, welcher Geschichtenträger so vieler ist und die Spuren derer trägt, die diesen Ort gebaut und geformt haben.

Josefin Mader ist Kunsttherapeutin und macht sechs Monate Bundesfreiwilligendienst (BFD) auf Schloss Reichenberg. Sie genießt die schöne Aussicht von ihrem Zimmer über den Odenwald.

Salzkorn 2 / 2024: Mission possible
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