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#FAIRBUNDEN

WELTWEIT #FAIRBUNDEN (Editorial 2022/3)

Wenn du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken,
dann hast du noch nie eine Nacht mit einer Stechmücke verbracht.


Afrikanisches Sprichwort

Liebe Freunde,

während meiner Teenagerjahre zogen meine Eltern innerhalb Südafrikas in eine abgelegene Missionsstation, die man nur über eine bucklige Schotterpiste erreichte, ganz ohne Strom und eine Abenddämmerung, in der es nur so summte. Hunderte kleiner Blutsauger prägten unser allabendliches Ritual: möglichst viele vor dem Sonnenuntergang raus scheuchen, Fenster schließen, die restlichen erledigen und den kostbaren Schlaf unter ein Moskitonetz retten. Der eindringliche Summton und ihre aufdringliche Kontaktaufnahme raubten uns den Schlaf. Eines muss man ihnen lassen: so klein sie sind, sie binden enorm viel Aufmerksamkeit. Ein gutes Übungsfeld, um zu lernen, den Blick auf das zu heften, was nötig ist, was dran ist und was Freude macht.

Weltweit FAIRbunden

In den vergangenen Wochen richteten wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf ein weltweites Netzwerk von Freunden und Projektpartnern in Russland, Irak, Nigeria und Mexiko. Mit über 400 Freunden feierten wir am Tag der Offensive „50 Jahre OJC-Weihnachtsaktion“. Das sind auch 50 Jahre stetige Solidarität der Freunde: Eure Treue und Bereitschaft, mit engagierten Glaubensgeschwistern in über 37 Ländern „das Teilen üben, uns verbinden und voneinander lernen“. Dafür danken wir Euch sehr! Von den Erfahrungen, Hoffnungen und Glaubenserfahrungen dieser Geschwister haben unendlich viele Menschen profitiert: Familien, Dorfgemeinschaften oder ganze Regionen. Jeder Einsatz, jede Tat, und sei sie noch so klein, jedes im Vertrauen gesprochene Gebet verändert unsere Welt. Das und noch vieles andere haben wir von ihnen lernen dürfen.

Angstbeschleuniger

„In welcher Gefangenschaft lebst du heute?“ war die wohl provokanteste Frage unseres Gastpredigers Yassir Eric beim Himmelfahrts-Gottesdienst. Vor seiner Bekehrung war seine Gefangenschaft der Hass auf Christen, der ihn völlig vereinnahmte. Und so bohrte er in seiner Predigt nach: „Welche Ängste nehmen uns gefangen? Ist es die Angst vor den Menschen, die durch Krieg und Klimaveränderungen zu uns flüchten? Ist es die Angst vor einem dritten Weltkrieg? Oder die Angst vor einer weiteren Pandemie?“ Die instabile Weltlage, das Kriegstreiben, die Hungersnöte, die Inflation und die bedrohliche Lebens- und Energieknappheit sind tatsächlich Angstbeschleuniger, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen können. Entscheidend ist, wie wir uns zu ihnen stellen.

Abschüssig stehen

In der Jesu-Ruf-Kapelle der Evangelischen Marienschwestern in Darmstadt, dem Geburtsort der OJC, kann man das leibhaftig nachempfinden. Der Boden ist abschüssig Richtung Altar und Kreuz. Selbst in den Bankreihen gleicht keine Stufe die Schräge aus. Beim 75sten Jubiläum im Juni spürte ich förmlich diesen Gedanken in meinen Füßen: Ein Christ muss abschüssig stehen. Das ebenerdige Stehen und Gehen ist zwar angenehm, tut uns aber auf Dauer nicht gut. Schiefe Zeiten sind die beste Gelegenheit, unseren geistlichen Gleichgewichtssinn zu trainieren: achtsam, demütig und ganz auf Jesus ausgerichtet – so schöpfen wir neuen Mut! Wer dennoch ins Wanken gerät, kann – wie in der Kapelle – geradewegs auf Christus zustolpern. Im vertrauensvollen Stolpern sind uns die Freunde in der weiten Welt um Meilen voraus. So wie die Partner im Irak, die sich noch im unebenen Gelände und in absturzgefährdeten Zeiten zu orientieren wissen. Ihre Sicht brauchen wir.

Im Spiegel der anderen

Dieser Blick über den Tellerrand, der interkulturelle Austausch hilft uns, denn er spiegelt, in was wir verliebt, wo wir verwöhnt und worin wir verwundbar geworden sind. Nüchternes Kalkül, Wohlstand, Struktur und Sicherheit mögen erstrebenswerte Güter sein, wenn wir sie aber verabsolutieren oder für selbstverständlich nehmen, machen wir uns von ihnen abhängig und verlieren unsere geistliche Wirkkraft. Ist das nicht ein Grund dafür, dass der Leib Christi in den ärmeren und unsicheren Ländern exponentiell wächst, während er bei uns zunehmend stagniert? Was müsste bei uns passieren, damit Glaube wieder not-wendend, lebendig und an­steckend würde? Wir haben keine Garantie für ein angstfreies und wohltemperiertes Leben. Eines aber ist und bleibt verbürgt: die Zusage Jesu. Er spricht uns zu: „In der Welt habt ihr Angst. Aber fasst Mut, ich habe die Welt besiegt“ (Joh. 16, 33). Jesus regiert! Zu dieser tragenden Gewissheit, zu diesem Grund müssen wir wohl wieder durch viele morsch gewordene Holzböden der Selbstabsicherung durchdringen.

Sie gehen – und wer kommt?

Unser Jahresteam hat es bald geschafft! In wenigen Wochen darf sich ihre Freundschaft mit Jesus im Alltag, in der Ausbildung und im neuem Lebensumfeld bewähren. Das nötige Handwerkszeug für Herz, Hand, Hirn und Horizonte haben sie hier erprobt. Dankbar blicken wir auf die gemeinsame Zeit zurück. Eher fragend schauen wir auf die kommenden Wochen: Noch nie gab es so wenige Bewerbungen für unsere Jahresmannschaft. Bitte betet, dass uns noch junge Menschen finden – und empfehlt die OJC an junge Menschen in Eurem Bekanntenkreis weiter, die nach einem Ort suchen, um sich und ihren Glauben auszuprobieren. Gerne auch Studenten, die eine Pause für 3-6 Monate einlegen wollen.

Verbunden

Wir danken Euch für jedes noch so kleine und große Zeichen der Verbundenheit: Eine Nachricht per Instagram, eine E-Mail, ein Brief, ein Anruf, ein Besuch und für jede Spende, die wir aktuell und auch im letzten Jahr empfangen haben. Das ist für uns eine unglaubliche Ermutigung und Stärkung. Wer mit dem Salzkorn noch nicht genug von uns hat, kann sich an unserem kleinen Preisausschreiben mit den exotischen Kochrezepten der OJC-Projektpartner beteiligen – wir sind schon gespannt auf Eure gut dokumentierten kulinarischen Erfolge!

In Christus verbunden mit der ganzen OJC-Gemeinschaft,
euer Konstantin Mascher
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Salzkorn 3 / 2022: WELTWEIT #FAIRBUNDEN
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